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Digitalisierung / FinTec / PSD2 - Erfahrungen der DKB AG

Digitalisierung / FinTec / PSD2 - Erfahrungen der Deutschen Kreditbank AG -
ein Interview mit Steffen von Blumröder, Leiter Regulatory Management PK, DKB AG

Veröffentlicht am 29.07.2019
Hallo Steffen, Digitalisierung ist für die Finanzbranche kein neues Thema. Onlinebanking nutzen wir alle schon seit Jahren und trotzdem entsteht gerade rund um das Banking sehr viel Neues. Immer wieder gründen sich neue Firmen, die insbesondere die Kundenschnittstelle im Fokus haben und mit einfachen, intuitiven Angeboten für Aufmerksamkeit sorgen. Offensichtlich gibt es noch viele Themen, die digitalisiert und optimiert werden können.

Du warst lange (4,5 Jahre) beim Digitalverband Bitkom tätig und hast dort den Banking- und FinTech-Bereich aufgebaut. Inzwischen bist Du bei der Deutschen Kreditbank AG (DKB), einer reinen Online-Bank für Privatkunden.

Steffen von Blumröder

 

Welche Hintergründe zur Gründung der DKB als Onlinebank kannst Du uns geben?

SvB: Viele wissen es vielleicht nicht, aber die DKB ist aus der ehemaligen Staatsbank der DDR hervorgegangen. Ein Teil ging 1994 von der Treuhand an die BayernLB, die ja auch heute noch unser Mutterkonzern ist. Die Kollegen aus München schickten einige ambitionierte und smarte Banker nach Berlin, die die heutige DKB gründeten.
Da man über keine Filialen verfügte, hat man alles als Direktbank aufgezogen. Günstige Konditionen, smarte Prozesse und immer am Kunden orientieren. Damals sicherlich nicht ganz selbstverständlich. Man konzentrierte sich von Anfang an auf einige wenige Firmenkundensegmente und ein einfaches Privatkundenangebot.

Das hat im Zusammenspiel bisher sehr gut funktioniert. Mit den guten, transparenten Konditionen konnte die DKB immer schon viele Kunden gewinnen, was bis heute anhält. Aktuell haben wir über 4,1 Millionen Kunden – Tendenz steigend. Der Erfolg ist für uns aber kein Grund sich zurückzulehnen, sondern spornt uns an uns immer zu verbessern und den Kunden als Fokus aller Arbeit zu sehen.

 

Viele neue Angebote werden nicht von den Banken, sondern von sogenannten FinTechs angeboten. Das sind Unternehmen, die sich oft auf die Kunden-Schnittstelle konzentrieren und so mit ihren Angeboten zwischen Kunde und Bank stehen.
Wie sieht die DKB die Entwicklung der FinTec-Branche und welche Chancen ergeben sich daraus?

SvB: FinTechs sind eine tolle Bereicherung für das Banking. In der heutigen Zeit ist es wichtig, nicht die Augen vor neuen Ansätzen zu verschließen, sondern mit der Zeit zu gehen. Wir haben die Mehrwerte von FinTechs für unsere Kunden immer schon gesehen. Warum alles selber machen, wenn FinTechs in einer Nische einen besonders tollen Service anbieten. Aus diesem Grund haben wir uns vor einigen Jahren dazu entschieden mit FinTechs zu kooperieren, als sie zu bekämpfen.

Man kann sich das gut wie eine Stecker Leiste vorstellen, indem man einen Service eines Startups anbindet und damit einen Mehrwert für seine Kunden anbieten kann. Funktioniert das prima, funktioniert es nicht zieht man halt auch mal den Stecker. Zum Glück haben die überwiegende Mehrheit der Kooperationen bis heute funktioniert.

Dabei ist es uns wichtig Partner anzubinden, die die komplette Wertschöpfung betrachten. Sprich, dass kann mal ein Service sein, der unseren Kunden die Bearbeitung von Überweisungen einfacher macht, wie zum Beispiel die Fotoüberweisung, aber auch unser schneller Konto- und Depotwechsel, mit dem man Konten von seiner Bank schneller zu uns umziehen kann.

Uns ist wichtig, dass wir uns mit unserer Art des Bankings immer ein Stück von den Marktbegleitern abheben. Wir möchten einer der Gewinner der digitalen Transformation am Bankenmarkt sein.

Wir sind einfach anders – und konzentrieren uns nicht ausschließlich auf junge Kundengruppen. Zudem ist die DKB auch eine große Geschäftsbank und setzt an 25 Standorten in Deutschland auf den direkten Kontakt mit den Geschäftskunden. Die Kombination aus Onlinebank und Geschäftskundenbank mit Zukunftsbranchen ist schon besonders. Wir sind z.B. auch der größte Finanzierer der erneuerbaren Energien und haben kürzlich unsere #geldverbesserer Kampagne gestartet (https://geldverbesserer.dkb.de/).

 

Digitalisierung ist kein nationales Thema und so gibt es in der EU eine neue Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 (Payment Services Directive2), die für Finanzdienstleistungen einheitliche Vorgaben definiert. Dadurch dürfen auch andere Unternehmen direkt auf die bei der Bank vorhandenen Kundendaten zugreifen.
Was bedeutet das für weitere Digitalisierungsprozesse, für bisherige Prozesse und für die Absicherung der Zugänge und Daten?

SvB: Die PSD2 kommt und wird erstmal für viel Wirbel sorgen. Grundsätzlich geht es in der PSD2 um verschiedene Parameter, die jedoch nicht immer sehr homogen zusammengehen.

Zum einen geht es um OpenBanking, sprich Banken müssen ab September eine dedizierte Schnittstelle für Drittanbieter, sogenannten Kontoinformationsdiensten/ Zahlungsauslösediensten anbieten, die unter Zustimmung des Kunden auf das Zahlungskonto (Girokonto) zugreifen. Wir sind große Fans von OpenBanking und haben hier auch schon einige Services für unsere Kunden an den Start gebracht, wie z.B. unser Multibanking, welches verschiedene Konten aggregiert, um dem Kunden eine Gesamtübersicht über seinen finanziellen Status zu geben.

Allerdings geht es eben auch um eine Erhöhung der Sicherheit im Zahlungsverkehr. Hierfür müssen dann zukünftig Zahlungstransaktionen und auch der Kontologin über eine starke Kundenauthentifizierung (2FA) abgesichert werden. Heute funktioniert das ja über Pin und Passwort. In Zukunft muss dann noch ein weiterer Faktor hinzukommen. Die zwei Faktoren müssen aus den Bereichen Wissen, Besitz oder Biometrie kommen.

Für den Kunden ergeben sich damit neue Herausforderungen. Er ist jahrelang darauf getrimmt worden, keine zusätzlichen TANs einzugeben und nun soll er dies direkt auch beim Login tun, wobei TANs natürlich nur eine Möglichkeit sind. Aber der Kunden muss mehr tun und das muss er erstmal lernen. Dies sorgt für mehr Sicherheit, aber behindert gleichzeitig die User Experience. So wird dann das oben beschriebene Multibanking zu einer sehr sperrigen Angelegenheit, wenn er sich täglich bei mehreren Banken stark authentifizieren muss.

So läuft die starke Kundenauthentifizierung dann entgegen der OpenBanking Ziele, sodass die Regulierung sich quasi widerspricht.

 

Was denkst Du, wird das Banking in fünf Jahren noch so sein wie heute oder wird es andere, erweiterte Ansätze geben?

SvB: Man muss sicherlich zwei Dinge unterscheiden, die etwas unterschiedlich gelagert sind. Zahlungsverkehr, der aus meiner Sicht immer mehr in den Hintergrund rutscht und irgendwann voll automatisch funktioniert, indem ich z.B. im Laden einkaufen gehe und ohne Kasse sämtliche Produkte beim Verlassen des Ladens zusammengerechnet und im Hintergrund bezahlt werden. Zum anderen eben das Banking, welches durch Mehrwerte im Konto angereichert wird. Ob automatisierte Steuererklärung auf Basis der hinterlegten Verträge (Telko, Utility, Versicherungen etc.) oder neue Angebote auf Basis des Kaufverhaltens. Hier wird KI natürlich eine ganz wichtige Rolle spielen.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang aber auch, dass dies immer transparent und für den Kunden einfach verständlich abläuft. Der Kunde muss verstehen das diese Dinge nur laufen, wenn er das möchte. Ohne Verständnis keine Akzeptanz, von daher geht es im Detail immer sehr stark, um die geeignete und mehrwertstiftende Kommunikation mit dem Kunden.

 

Wo sind mit der weiteren Digitalisierung für den Kunden noch Unterscheidungen/Differenzierungen zu anderen Banken möglich?

SvB: Ich denke, in Zukunft werden die Banken oder Dienste weiterhin Kunden gewinnen, die Ihre Kunden am besten versehen. Sprich die Dienstleistungen anbieten, die sich nahtlos in das tägliche digitale Leben des Kunden integrieren und immer einen Mehrwert darstellen. Ob die Hauptdienstleistung einer Bank dann immer noch Banking ist oder Banking im Kontext durch andere Player angeboten wird, muss sich zeigen.

Ich denke viele Wege führen nach Rom und so werden sich Banken deutlicher voneinander abgrenzen, als dies heute der Fall ist.

 

Ist Apple Pay für die DKB ein solcher Dienst und auf welche neuen Dienste oder Services kann sich der DKB-Kunde demnächst einstellen?

SvB: Mobile Payment, also das Bezahlen mit dem Smartphone ist für uns ein weiterer evolutionärer Schritt im Payment. Vorher hat der Kunde die Karte getapped (also ans Terminal gehalten), heute das Smartphone. Das nennt man dann neudeutsch tap&go. Einfach, schnell und unkompliziert.

Wir nehmen die Hinweise unserer Kunden zu neuen Angeboten und verbesserten Services sehr gerne auf. Wir sind dankbar für die tolle DKB Community, die uns Ihre Vorschläge auf sämtlichen Kanälen übermittelt. Ich bin selber sehr stark auf Twitter (@DKB_RegTech) unterwegs und höre da viel über native App, Unterkonten, neue Karten und Kontomodell und und und. Vieles kann sich dann theoretisch auch auf unserer Roadmap wiederfinden. Aber ich will die Vorfreude ja nicht nehmen, von daher würde ich die Leser bitten einfach gespannt zu sein.

 

Zur Person:

Steffen von Blumröder (45) verantwortet alle gesetzlichen und aufsichtsrechtlichen Themen im DKB Privatkundenbereich und beschäftigt sich stark mit kundenzentrischer Prozessoptimierung. Er arbeitet seit 20 Jahren im Bereich der digitalen Transformation unterschiedlicher Industriezweige. Ob beim Digitalverband Bitkom oder amerikanischen Techunternehmen, sieht er sich als #strategynerd, #lobbyist, #digienthusiast und #matchmaker. Von Blumröder hält einen MBA in Unternehmensführung und Wirtschaftsethik

 

Steffen, vielen Dank für den interessanten Einblick.
Wir bleiben gespannt und freuen uns auf neue smarte Angebote und Services der DKB.

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Das Interview führte Mark Rüdiger.